Wann braucht man
eine neue
Herzklappe?

Als organischer Mittelpunkt für die Steuerung vitaler Körperfunktionen ist ein gesundes Herz unverzichtbar. Ein Aortenklappenersatz wird notwendig, wenn das Herz aufgrund eines Herzklappenfehlers die Versorgung der Organe nicht mehr sicherstellen kann. Wenn also das Herz-Kreislauf-System nicht mehr richtig funktioniert. In diesem Fall kann ein Aortenklappenersatz lebenswichtige Funktionen übernehmen.

Was ist eine Aortenklappe und wann muss sie ersetzt werden?

Vier Herzklappen steuern den Blutfluss vom und zum Herzen. Die Aortenklappe liegt am Ursprung der linken Herzkammer. Sie verhindert den Rückfluss des Blutes zu Beginn der Erschlaffungsphase des Herzens. Störungen dieses Kreislaufes, z. B. durch eine Aortenstenose, können eine Herzinsuffizienz verursachen. Eine Insuffizienz bedeutet so viel wie Funktionsschwäche, in diesem Fall eine nicht mehr ausreichende Leistungsfähigkeit des Herzens.

Symptome der Aorten-klappenstenose

Die Aortenklappenstenose zählt zu den progressiven Erkrankungen. Das bedeutet, der Verlauf ist fortschreitend. Da der Körper nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird, nimmt die Leistungsfähigkeit ab. Betroffene klagen über die zunehmende Unfähigkeit, alltägliche Bewegungsabläufe zu bewältigen. So kann das Treppensteigen zu einem nahezu unüberwindlichen Hindernis werden.

Die Symptome sind nicht immer eindeutig, nehmen meist erst im Laufe der Zeit zu (fortschreitend). Aufgrund dieses schleichenden Prozesses ist die mögliche Notwendigkeit für einen Aortenklappenersatz, durch die Betroffenen, häufig schwer feststellbar. Nicht selten sehen sie die Beschwerden als typische Alterserscheinung an und reduzieren ihren Bewegungsradius.

Die folgende kurze Liste typischer Symptome als Hinweis für einen Aortenklappenersatz kann helfen, den Ernst der Lage richtig einzuordnen. Zu den Symptomen zählen: 

  • Brust- oder Herzschmerzen 
  • Schwindel bis zu Ohnmachtsanfällen
  • allgemeines Schwächegefühl und schnellere körperliche Ermüdung
  • zunehmende Schwierigkeiten bei körperlicher Anstrengung
  • Dyspnoe (Atemlosigkeit, Atemnot, Kurzatmigkeit)

Auch wenn nicht in jedem Fall zwingend eine Aortenstenose vorliegt, ist es wichtig, diese Symptome ernst zu nehmen. Immer, wenn ein Abnehmen der allgemeinen Leistungsfähigkeit vorliegt, es schwerfällt Treppen zu steigen oder alltägliche Dinge zu erledigen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Nur die gründliche Untersuchung durch einen Facharzt kann abklären, ob eine Aortenstenose vorliegt und ein Aortenklappenersatz notwendig ist. 

Diagnose

Die Diagnose einer Aortenklappenstenose erfolgt zunächst über die Befragung. Sind auffällige Merkmale wie Atemnot oder Schwindel bei körperlicher Anstrengung vorhanden? Klagt der Betroffene über Brust- oder Herzschmerzen? Dann wird der Arzt zunächst die Herztöne durch einfaches Abhören überprüfen. Die Aortenklappenstenose verursacht ein charakteristisches Geräusch. Das ist ein deutlicher Hinweis für die richtige Diagnosestellung.

Generell gilt: Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind immer ernst zu nehmen. Eine sorgfältige Abklärung durch einen Arzt kann schwerwiegende Folgen verhindern. So zählt eine schwere Aortenstenose, wenn sie unbehandelt bleibt, zu den lebensbedrohlichen Erkrankungen.

Hat der Allgemeinmediziner einen dringenden Verdacht, wird der Betroffene zur weiteren Abklärung meist an einen Kardiologen überwiesen. Genauere Diagnoseverfahren, wie Ultraschall (Echokardiogramm), Röntgen oder EKG klären, ob eine operative Behandlung mittels Aortenklappenersatz notwendig ist.

Der chirurgische Aortenklappenersatz

Der Aortenklappenersatz zählt häufig zu den chirurgischen Eingriffen am Herzen. Weltweit werden jährlich mehr als 250.000 solcher OPs durchgeführt. Seit fast 60 Jahren zählt dieser Eingriff am offenen Herzen zu den erfolgreich durchgeführten Operationen der Herzchirurgie. Dabei werden die Patienten in Vollnarkose versetzt. Der Operateur öffnet den Brustkorb mit einem kleinen Schnitt ins Brustbein. Anschließend wird das Herz an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. So lässt sich der vorübergehende Stillstand beim chirurgischen Aortenklappenersatz kompensieren. Hat die Herz-Lungen-Maschine alle lebenswichtigen Funktionen übernommen, beginnt die Entfernung der defekten Herzklappe. Eine neue, funktionstüchtige Klappe wird eingenäht: der Aortenklappenersatz.

Der operative Eingriff nimmt in der Regel zwei bis drei Stunden in Anspruch.

TAVI – Kathetergestützer perkutaner Aortenklappenersatz

Seit 2007 gibt es in Deutschland eine minimalinvasive Methode zum Aortenklappenersatz. Minimalinvasiv bedeutet, operative Eingriffe mit kleinstmöglicher Verletzung von Haut und Weichteilen vorzunehmen. TAVI steht hier für „Transkatheter-Aortenklappen-Implantation“.

Bei diesem Verfahren wird der Aortenklappenersatz zusammengefaltet, sodass er auf einen Katheter passt. Anschließend wird über mögliche Zugangswege wie Leistenschlagader, Aorta oder Herzspitze, der dünne Schlauch eingeführt und der Aortenklappenersatz an die verkalkte Stelle geschoben.

Konventionelle Aortenklappenersatz oder TAVI?

Durch die minimalinvasive Methode ist der TAVI-Eingriff deutlich schneller durchführbar, als der traditionelle Aortenklappenersatz. Die Herz-Lungen-Maschine wird nicht benötigt, die Herzfunktion natürlich gesteuert. Auch das Öffnen des Brustkorbes entfällt bei TAVI-Eingriffen. So erspart man den Patienten Schmerzen nach der Operation. Auch die Verweildauer in der Klinik kann verkürzt werden.

TAVI kommt vor allem infrage, wenn die Betroffenen aufgrund unterschiedlicher Risikofaktoren als ungeeignet für eine OP am offenen Herzen eingestuft werden. So können viele Patienten nach einem Aortenklappenersatz mit der TAVI-Methode das Krankenhaus bereits wenige Tage nach dem Eingriff wieder verlassen. Gezielte Maßnahmen zur Rehabilitation sind immer abhängig vom individuellen Zustand des Patienten nach einem Aortenklappenersatz. Bei Eingriffen durch TAVI ist eine anschließende Reha nicht immer nötig.

Mechanischer oder biologischer Herzklappenersatz: Die Vor- und Nachteile

Biologische Herzklappen werden aus tierischem Gewebe hergestellt. Dabei handelt es sich in der Regel um Schwein oder Rind.

Mechanische Herzklappen haben einen Korpus aus Metall und werden mit einer Art Manschette aus Polyester ausgerüstet.

Grundsätzliche Unterscheidungsmerkmale der beiden Materialien sind: Biologische Herzklappen erfordern keine Einnahme spezieller Medikamente. Sie werden vor dem Einsetzen chemisch gereinigt, um eine Abstoßung des Gewebes zu verhindern. Beim mechanischen Aortenklappenersatz hingegen müssen die Betroffenen lebenslang Medikamente zur Blutverdünnung einnehmen.

Ein weiteres, wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die Haltbarkeit beim Aortenklappenersatz. Biologische Herzklappen haben eine Haltbarkeit von 15 bis 25 Jahren – ab dem Zeitpunkt der Operation. Der mechanische Aortenklappenersatz ist lebenslang haltbar.

Das Für und Wider des richtigen Klappentyps abzuwägen ist nicht immer ganz leicht. Gemeinsam mit dem behandelnden Kardiologen oder dem Herzchirurgen treffen Patienten beim Herzklappenersatz die für sie passende Entscheidung. Individuelle Lebensumstände finden darin Berücksichtigung.

So vermindern Sie das Risiko für eine Stenose

Eine Aortenklappenstenose verläuft nicht immer nach dem gleichen Muster. Als häufigste erworbene Erkrankung der Herzklappen ist eine gute Beobachtung der körperlichen Leistungsfähigkeit wichtig. Auf diesem Wege lässt sich größerer Schaden verhindern.

Neben der Häufung der Erkrankung im Alter, gibt es noch einige Risikofaktoren, die das Auftreten einer Aortenstenose begünstigen. Dazu gehören Rauchen, Diabetes, Störungen des Fettstoffwechsels und Bluthochdruck. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt können Risiken aufzeigen. Im besten Fall lässt sich der Bedarf eines Aortenklappenersatzes im Vorfeld verhindern.