Aufgaben, Funktionen und Bedeutung des Herzens.

Unser Herz wird nicht nur seit jeher mit Gefühlen, wie etwa der Liebe, in Verbindung gebracht, es ist als zentraler „Antriebsmotor“ des Körpers auch für unsere Gesundheit und unser Wohlergehen verantwortlich. Dieser Fachbeitrag befasst sich ausführlich mit dem Thema Herz, seinen Erkrankungen und möglichen Therapien. 

Das Herz – Lage & Anatomie

Leicht nach links versetzt hinter dem Brustbein gelegen, hat das menschliche Herz die Form eines abgerundeten kegelförmigen Gegenstandes, dessen Spitze schräg nach links unten weist. Es besteht aus zwei Vorhöfen, zwei Herzkammern sowie vier Herzklappen. Die Aufgabe des Herzens besteht darin, permanent sauerstoffreiches Blut durch den Körper zu pumpen und den Organismus auf diese Weise am Leben zu erhalten.

Anatomisch gesehen, befindet sich das Herz innerhalb des sogenannten Herzbeutels, seitlich an den linken und rechten Lungenflügel angrenzend. Unser lebenserhaltendes Organ liegt auf dem mit dem Herzbeutel fest verbundenen Zwerchfell auf, oberhalb mündet die Luftröhre in die beiden Hauptbronchien, unterhalb dieser Gabelung befindet sich der linke Herzvorhof. 

Die Lehre von Aufbau, Funktion und Erkrankungen des Herzapparates wird als Kardiologie bezeichnet.

Funktionsweise des Herzens

Das menschliche Herz pumpt im Ruhezustand das gesamte Blut des Körpers etwa einmal pro Minute durch den Kreislauf – bei Erwachsenen sind das etwa 5 Liter pro Minute. Bei körperlicher Belastung steigt die Pumpleistung des Herzens bis auf das Fünffache an, was mit erhöhtem Sauerstoffbedarf, einer Verdoppelung der Schlagkraft des Herzmuskels sowie einer um das zweieinhalbfache gesteigerten Herzfrequenz einhergeht.

Die Kontraktion (Zusammenziehen) des Herzens wird von elektrischen Impulsen ausgelöst, welche auf die Herzmuskelfasern stimulierend wirken und beim myogenen Herztyp des Menschen in speziellen Herzmuskelzellen generiert werden. Winzige Poren in den Herzmuskel-Zellmembranen sorgen dafür, dass diese elektrischen Signale von einer Zelle zur anderen wandern, sich über beide Vorhöfe ausbreiten und schließlich, nachdem sie über den Atrioventrikularknoten die Herzkammern erreicht haben, die gesamte Herzfläche erfassen. 

Ein Herz auf dunklem Grund.

Herzerkrankungen

Nachstehend eine Kurzbeschreibung verbreiteter Herzkrankheiten.

Koronare Herzkrankheit

Der Begriff beschreibt eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, deren Ursache meist in einer fortgeschrittenen Arteriosklerose zu suchen ist. Hierbei entstehen Ablagerungen in den Gefäßwänden, welche in weiterer Folge verhärten, was mit einer Verringerung des Durchflussquerschnitts einhergeht und eine Beeinträchtigung der Durchblutung und damit eine verminderte Sauerstoffversorgung der Herzmuskulatur nach sich zieht.

Herzschwäche

Die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) gehört zu jenen Herzerkrankungen, welche dadurch charakterisiert sind, dass durch eine ungenügende Leistungsfähigkeit des Herzens zunehmend weniger Blut in den Körperkreislauf gepumpt wird. Die Gründe reichen von Klappendefekten über Rhythmusstörungen bis zum überstandenen Herzinfarkt. Es wird zwischen Linksherzinsuffizienz und Rechtsherzinsuffizienz unterschieden.

Linksherzinsuffizienz
Dabei ensteht ein massiver Blutstau auf der linken Herzseite. Da der insuffiziente Herzmuskel nicht mehr imstande ist, ausreichend Blut in die Venen zu pumpen, blockiert das aufgestaute Blut die Lungen, es kommt zu Lungenhochdruck und Ödembildungen, ferner leidet der Patient unter Atemnot und Herzrasen.

Rechtsherzinssuffizienz
Diese Herzerkrankung folgt meist auf eine vorangegangene Linksherzinsuffizienz. Der links entstandene Blutstau setzt sich über die Lunge bis ins rechte Herz fort und führt zur völligen Leistungsunfähigkeit der rechten Herzseite. Spezifische Anzeichen sind Stauungen der Halsvenen sowie von Leber, Milz und Nieren, Gewichtszunahme, Ödembildung sowie verstärkter Harndrang.

Herzmuskelentzündung

Bei einer Entzündung des Herzmuskels kann es zu lebensbedrohenden Funktionsstörungen der Herzmuskulatur sowie zu erheblichen Herzrhythmusstörungen kommen. Häufige Auslöser sind unbehandelte Infektionen, mitunter auch Medikamentenkonsum oder eine Allergie. Die Symptome umfassen Kurzatmigkeit, Schmerzen in der Brust, beschleunigten Puls sowie Herzrhythmusstörungen.

Erkrankungen der Herzklappen

Klappeninsuffizienz
Bei einer Herzklappeninsuffizienz schließen sich die Herzklappen nicht mehr vollständig, was dazu führt, dass bei jedem Herzschlag weiterhin Blut durch die betroffene Klappe gepresst wird. Da diese nicht hermetisch schließt, fließt das Blut wieder in die Kammer zurück. Dieses sogenannte Pendelblut verursacht das für Herzklappeninsuffizienz typische Geräusch einer Strömung.

Klappenstenose der Aorten
Eine Aortenklappenstenose hat ihre Ursache in einer zunehmenden Verkalkung der Herzklappentaschen. Dadurch werden die Klappentaschen unbeweglicher und lassen sich nicht mehr vollständig öffnen. Es kommt zu einer Engstelle (Stenose), die oft mit einer Undichtigkeit der Klappe einhergeht. Dadurch wird der Blutfluss von der linken Herzkammer in die Hauptschlagader behindert und das Blut beginnt sich vor der Klappe zu stauen. 

Risikofaktor Bluthochdruck

Hat das Herz beim Blutausstoß gegen einen hohen Gefäßwiderstand anzukämpfen und muss der Herzmuskel immer mehr Arbeit verrichten, um eine ausreichende Pumpleistung aufrechterhalten zu können, spricht man von Bluthochdruck. Dabei wird in den Herzkammern Muskelmasse aufgebaut, wodurch sich das Herzvolumen vergrößert und die Muskelzellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Die Folge ist eine Herzinsuffizienz. Ferner kann Bluthochdruck zu Schäden an den Wänden der Blutgefäße sowie zu diversen Herzerkrankungen führen.

Medikamente und Therapien gegen Herzerkrankungen

Medikamente

Es existiert eine Reihe medikamentöser Behandlungsmethoden bei Herzerkrankungen. Ihnen allen ist gemein, dass bei sachgerechter Anwendung Lebensqualität und Prognose des Patienten massiv verbessert werden. 

Blutgerinnungshemmer

Thrombose-Aggregationshemmer (Blutverdünner) unterbinden die Ablagerung von Thrombozyten und beugen so Thrombosen vor. Bevorzugter Wirkstoff ist Acetylsalicylsäure.

Beta-Rezeptoren-Blocker 

Betablocker senken den Blutdruck, verlangsamen den Herzschlag und verringern den Sauerstoffbedarf des Herzens, Erregungen bzw. Vibrationen der Nervenstränge werden lediglich in abgemilderter Form an das Herz weitergeleitet. Der Herzmuskel erfährt dadurch eine wesentliche Schonung.

Cholesterinsenker 

Bestimmte Statine können den Cholesterinspiegel senken und die Entstehung einer Arteriosklerose hintanhalten.

Nitrate

Medikamente auf Nitratbasis erweitern die Blutgefäße des Herzens, was die Durchflussgeschwindigkeit des Blutes verringert. Das Herz muss weniger pumpen, wodurch der Sauerstoffbedarf reduziert wird. 

Kalzium-Antagonisten

Auch diese Medikamentenkategorie weitet die Herzkranzgefäße, verlangsamt den Blutfluss und entlastet das Herz.

ACE-Hemmer

Die Blutgefäße des Herzens werden durch Hemmer auf ACE-Basis gedehnt, was den Blutdruck senkt und das Herz schont.

Angiotensin-I-Blocker

Diese Gruppe von Rezeptoren-Blockern wird bei einer Unverträglichkeit von ACE-Hemmern eingesetzt.

Konservative Behandlungsmethoden

Ist die Herzkrankheit medikamentös nicht zuverlässig beherrschbar, kann eine Dehnung der Herzkranzgefäße oder eine Bypass-Intervention in Erwägung gezogen werden.

Bypass-Operation

Der Eingriff dient dazu, eine am Herzkranzgefäß entstandene Engstelle zu überbrücken. Dazu wird ein gesundes Gefäß hinter der Stenose so auf die verengte Stelle genäht, daß der Blutfluss durch das neue Herzkranzgefäß erfolgt. 

Herzkatheter

Bei einer Herzkatheter-Behandlung (engl. Perkutane Coronar Intervention – PCI) wird die entstandene Stenose zunächst mit einem ballonartigen Chirurgie-Instrument gedehnt. Anschließend wird ein flexibler Stent (Metallzylinderl) an der Engstelle befestigt, um diese dauerhaft in geöffneter Position zu halten. 

Aortenklappenersatz

Ist die Aortenklappe durch eine fortgeschrittene Aortenstenose irreparabel verkalkt, kann diese gegen eine künstliche Herzklappe getauscht werden, wodurch der Patient seine Lebensqualität vollständig zurückgewinnt. Es existieren diesbezüglich zwei Methoden:

Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI)
Dabei wird die neue Herzklappe mittels minimalinvasiver Operationsweise über einen Katheter eingesetzt. 

Operativer Aortenklappenersatz 
Bei diesem chirurgischen Eingriff wird das Eigenherz vorübergehend deaktiviert und der Patient an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Sodann wird die künstliche Herzklappe implantiert und danach das Herz des Patienten reanimiert.